Zahn ziehen - Gründe und wie sie die Behandlung überstehen

Zahn ziehen – 4 Gründe und wie Sie die Behandlung überstehen

Manchmal ist es notwendig, sich im Erwachsenenalter einen Zahn ziehen zu lassen.

Dies muss nicht unbedingt mit mangelnder Zahnpflege zu tun haben. Was die Gründe sind und wie Sie die Behandlung am besten überstehen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Gründe für das Zahn ziehen

Obwohl bleibende Zähne ein Leben lang halten sollen, gibt es eine Reihe von Gründen, warum eine Zahnentfernung (Extraktion) notwendig sein kann. Ein sehr häufiger Grund ist ein Zahn, welcher durch ein Trauma oder eine Karies so stark beschädigt ist, das er nicht mehr repariert werden kann. Andere Gründe sind unter anderem:

Ein zu kleiner Mund

Früher haben die Menschen alle 32 Zähne gebraucht um die Nahrung zu zerkleinern. Heute, vor allem durch die stark verarbeiteten Lebensmittel, fällt es den Menschen jedoch deutlich leichter Nahrung zu zerkleinern. Durch die Evolution sind die Menschen sehr anpassungsfähig, sodass die Kiefer nicht mehr so groß werden um alle Zähne zu beherbergen. Daher kommt es häufig dazu, dass ein Engstand der Zähne entsteht, weil einfach der Platz fehlt. Logisch, oder?

Manchmal ziehen Zahnärzte daher Zähne, um den Mund für die Kieferorthopädie vorzubereiten. Ziel der Kieferorthopädie ist es, die Zähne richtig auszurichten, was möglicherweise nicht möglich ist, wenn der Kiefer zu klein für die Zähne ist. Wenn ein Zahn das Zahnfleisch nicht durchbrechen kann (ausbricht), weil im Mund kein Platz für ihn vorhanden ist, empfiehlt Ihr Zahnarzt oder Kieferorthopäde möglicherweise, Zähne zu ziehen um Platz zu schaffen.

Eine Infektion 

Wenn sich Karies auf das Zahnmark – das Zentrum des Zahnes, das Nerven und Blutgefäße enthält – ausdehnt, können Bakterien aus der Mundhöhle in das Zahnmark eindringen und zu einer Infektion führen. Häufig kann dies mit einer Wurzelkanalbehandlung korrigiert werden, wenn jedoch die Infektion so schwerwiegend ist, dass Abszesse entstehen oder eine Wurzelkanalbehandlung sie nicht heilen, kann eine Extraktion, also eine Zahnentfernung erforderlich sein, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern.

Risiko einer Infektion

Wenn Ihr Immunsystem geschwächt ist (z.B. bei/nach einer Chemotherapie oder einer Organtransplantation), kann sogar alleine das erhöhte Risiko einer möglichen auftretenden Infektion in einem bestimmten Zahn Grund genug sein, den Zahn ziehen zu müssen.

Parodontitis (Zahnfleischerkrankung)

Wenn eine Parodontalerkrankung – eine Infektion des Zahnhalteapparates (Zahnfleisch und Knochen), welcher die Zähne umgibt und stützt – eine Lockerung der Zähne verursacht hat, kann es notwendig sein, den Zahn oder die Zähne zu ziehen.

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Was beim Zahn ziehen zu erwarten ist

Zahnärzte, Oralchirurgen (Zahnärzte mit spezieller Ausbildung zur Durchführung von Operationen) und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen führen Zahnextraktionen durch. Bevor ein Zahn gezogen wird, wird Ihr Zahnarzt Ihnen ein Lokalanästhetikum injizieren, um den Bereich zu betäuben, an dem der Zahn entfernt werden soll.

In einigen Fällen kann eine Zahnentfernung auch unter Vollnarkose durchgeführt werden/werden müssen. 

Wenn der betroffene Zahn taub ist (Sie also nichts mehr merken), löst der Zahnarzt das Zahnfleisch um den Zahn, lockert den Zahn etwas mit einem Hebel und fasst den Zahn dann mit einer Zange um ihn sanft hin und her zu schaukeln.

So wird der Zahn von den Bändern und dem Kieferknochen, die ihn festhalten, gelöst und kann entfernt werden. Manchmal muss ein schwer zu entfernender Zahn in Stücken entfernt werden. In seltenen Fällen muss das Zahnfleisch aufgeschnitten und etwas vom Kieferknochen entfernt werden um einen Zahn vollständig ziehen zu können.

 

Nach dem Ziehen des Zahnes bildet sich in der Regel ein Blutgerinnsel (Blutkoagel) in der Höhle im Kiefer, in welcher der Zahn gesteckt hat.

Der Zahnarzt legt einen Tupfer auf die Wunde und lässt Sie mit Druck darauf beißen, um die Blutung zu stoppen. Manchmal ist es nötig die Wunde mit einer oder mehreren Nähten zu verschließen.

 

Manchmal löst sich das Blutkoagel in der Knochenhöhle auf und legt dadurch den Kieferknochen hier frei. Dies ist ein schmerzhafter Zustand, der als “dry socket” oder trockene Alveole” bezeichnet wird.

Dieses Phänomen tritt, wenn es überhaupt auftritt, meist 2-3 Tage nach der Zahnentfernung auf. In diesem Fall wird Ihr Zahnarzt wahrscheinlich die Wunde reinigen und anfrischen, damit wieder ein neues Blutkoagel entstehen kann. Manchmal reicht es auch aus, wenn ein spezieller Streifen in die Knochenhöhle eingebracht wird, der den Knochen abdeckt.

Um Nachbeschwerden zu verhindern, hilft es auch, die Wunde direkt nach der Zahnentfernung mit Ozon zu desinfizieren. 

Dies muss Ihr Zahnarzt vor dem Zahnziehen wissen

Obwohl das Ziehen eines Zahnes in der Regel sehr sicher ist, kommt es immer dazu, dass Bakterien aus der Mundhöhle in den Blutkreislauf gelangen. Dies lässt sich nicht verhindern. 

Wenn Sie ein sehr schwaches Immunsystem haben, dann sind Sie einem hohen Risiko für die Entwicklung einer schweren Infektion ausgesetzt. Um eine Infektion zu vermeiden, müssen Sie gegebenenfalls vor und nach der Extraktion ein Antibiotikum einnehmen. 

Bevor Sie sich einen Zahn ziehen lassen, teilen Sie Ihrem Zahnarzt Ihre vollständige medizinische Vorgeschichte (Anamnese), die von Ihnen eingenommenen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel mit und ob Sie eine der folgenden Krankheiten haben:

  • Beschädigte oder künstliche Herzklappen
  • Angeborener Herzfehler
  • Beeinträchtigtes Immunsystem
  • Leberkrankheit (Leberzirrhose)
  • Künstliches Gelenk, wie z.B. eine Hüftprothese
  • Eine schon durchgemachte bakterielle Endokarditis (Herzmuskelentzündung)
Welche Medikamente nehmen Sie zur Zeit
Welche Medikamente nehmen Sie zur Zeit

Über folgende Medikamente sollten Sie Ihren Zahnarzt auch unbedingt informieren:

  • Jegliche Art von Blutverdünnern
  • Bisphosphonate
  • Insulin

Nachdem Sie einen Zahn gezogen bekommen haben

Nach einer Extraktion eines Zahnes schickt Ihr Zahnarzt Sie zur Erholung nach Hause. Am besten fahren Sie nicht nach der Zahnentfernung selbst mit dem Auto nach Hause, sondern lassen sich abholen. 

Die Genesung dauert normalerweise einige Tage. Wenn Sie sich an die folgenden Maßnahmen halten, senken Sie das Risiko für Nachbeschwerden, für Infektionen und beschleunigen zusätzlich die Genesung.

  • Nehmen Sie Schmerzmittel, wenn nötig, ein.
  • Beißen Sie nach der Zahnextraktion ca. 30 Minuten mit Druck auf den von Ihrem Zahnarzt auf der Wunde platzierten Tupfer. So kommt die Blutungen meist schnell zum Stillstand. 
  • Um Schwellungen zu verhindern, kühlen Sie von der Außenseite des Gesichts her, die Region, an welcher der Zahn entfernt worden ist, für ein paar Stunden.
  • Entspannen Sie sich nach dem Zahnziehen mindestens 24 Stunden lang. Schwere körperliche Arbeit oder Sport sind in dieser Zeit nicht zu empfehlen.
  • Vermeiden Sie 24 Stunden lang nach der Extraktion kräftiges Spülen oder Spucken, um zu vermeiden, dass die Blutung wieder anfängt.
  • Vermeiden Sie mindestens 24 Stunden die Aufnahme von Koffein (z.B. Kaffee trinken)
  • Rauchen Sie mindestens 24 Stunden nicht, da dies die Heilung behindern kann.
  • Nehmen Sie mindestens 24 Stunden, am besten noch länger, keine Milchprodukte zu sich. Die Bakterien in Milchprodukten, sowie die Bestandteile der Milchprodukte, können das Risiko einer Infektion der Wunde stark erhöhen.
  • Stützen Sie Ihren Kopf im Liegen mit Kissen ab. Flaches Liegen kann die Blutung verlängern.
  • Putzen Sie weiterhin Ihre Zähne und putzen Sie Ihre Zunge, aber vermeiden Sie unbedingt für 5-7 Tage direkt an der Wunde zu putzen. Dies hilft, Infektionen zu vermeiden.
  • Vermeiden Sie (generell) Mundspüllösungen. Dies ist in diesem Fall extrem wichtig, da sich häufig durch Mundspüllösungen das Blutkoagel in der Knochenhöhle auflöst und somit Nachbeschwerden entstehen. 

Wann Sie den Zahnarzt anrufen sollten

Es ist normal, dass man nach Abklingen der Betäubung Schmerzen an der Wunde verspürt. 

 

Für die ersten 24 Stunden nach dem Zahnziehen müssen Sie außerdem mit einer Schwellung und minimalen Nachblutungen rechnen. 

Wenn jedoch, nach mehr als vier Stunden nach dem Ziehen des Zahnes, noch starke Blutungen auftreten, sollten Sie Ihren Zahnarzt anrufen. 

Sie sollten Ihren Zahnarzt auch dann anrufen, wenn Sie eines der folgenden Symptome verspüren:

 

  1. Anzeichen einer Infektion, einschließlich Fieber und Schüttelfrost
  2. Übelkeit oder Erbrechen
  3. Rötung, Schwellung und/oder übermäßiger Ausfluss an der Stelle, an welcher der Zahn entfernt worden ist

 

Die anfängliche Heilungsphase dauert in der Regel etwa ein bis zwei Wochen. 

Die Knochenhöhle wird relativ schnell durch Schleimhaut oberflächlich verschlossen werden. Die Knochenhöhle selbst wird sich dann innerhalb mehrerer Wochen/Monate durch neu gebildeten Knochen vollständig verschließen. 

 

Im Laufe der Zeit kann ein fehlender Zahn (oder fehlende Zähne) jedoch dazu führen, dass sich die verbleibenden Zähne verschieben, wodurch der Biss beeinträchtigt und das Kauen erschwert wird. 

 

Aus diesem Grund empfiehlt Ihr Zahnarzt möglicherweise, den fehlenden Zahn oder die fehlenden Zähne durch ein Implantat, eine festsitzende Brücke oder eine Zahnprothese zu ersetzen.

 

Was hier Ihre Optionen sind und wie Sie eine gute Entscheidung für Ihre Situation treffen, können Sie hier nachlesen:

 

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Ihr Martin Schönenstein 

Zahnarztpraxis Schönenstein - Ausgezeichnete Praxis mit dem Praxis Award Qualitätssiegel
Zahnarztpraxis Schönenstein – Ausgezeichnete Praxis mit dem Praxis Award Qualitätssiegel

 

 

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